Antibiotika (Minocyclin/Doxycyclin)

Kurz und wichtig für ganz „Neubetroffene“: Wer mit einem „klinisch isolierten Syndrom“ (CIS) beim Neurologen landet, sollte diesen dringend fragen, ob er oder sie bitte zunächst einmal ein Breitband-Antibiotikum einnehmen dürfte. Neurologen hören diese Frage zwar nicht gern, verschweigen dann aber (oder wissen davon nichts), dass das relative Risiko, von einem CIS in eine Multiple Sklerose zu rutschen, bei Gabe des Breitbandantiotikums Minocyclin (oder Doxycyclin) um sagenhafte 44,6% reduziert ist. Das ist alles andere als „eine Kleinigkeit“, und die Autoren der jüngsten kanadischen Studie (langjährig, doppelblind, Placebo-kontrollierte, multizentrischen keine Interessenskonflikte der Forscher (!) kommen zur klaren Schlussfolgerung, dass Minocyin-Gaben (100 mg) den Übergang vom ersten demyelinisierenden Ereignis zur MS verlangsamen – und empfehlen daher, das bekannt sichere und preiswerte Anitibiotikum als initiale Therapieoption zu erwägen.*

Luanne Metz et. al. (siehe unten) weisen zurecht darauf hin, dass die initale Therapie mit Minocyclin oder Doxycyclin weitgehend nebenwirkungsfrei ist, und wir ersparen uns und Ihnen an dieser Stelle gern die Debatte darüber, ob hinter einem CIS nun auch oder manchmal oder immer eine Neuroborreliose (Zecken) oder eben etwas anderes von GBS bis „eine Mischung aus GBS und Adem, jetzt aber doch MS“ stecken muss (Danke, B. S., für diese übermittelte haarsträubende Diagnoseidee ratloser Neurologen). Die Frage nach dem exakten Auslöser gewisser MSen nämlich kann uns – als Betroffene – gern im zweiten Schritt interessieren, sofern die sofortige Breitband-Antibiotika-Gabe hilft. Und hilft sie nicht, können Sie ja immer noch darüber philosophieren (mit Ihrem Arzt), ob nur die Dosis zu niedrig war oder sie tatsächlich eine „ursachenlose“ MS haben. Aber: hilft die AB-Gabe, könnten Sie tatsächlich etwas ganz was anders haben. Und zwar etwas Heilbares.

Die „Verschlechterung“, die manche CIS-Fälle (oder MS-Diagnostizierten) durch -> Kortison erfahren könnte überdies ein deutlicher Hinweise darauf sein, dass eben durchaus auffindbare Ursachen für den neuronalen Zwischenfall verantwortlich sind. Mehr noch: Liegt eine bakterielle Ursache zugrunde (auch, aber nicht nur Borrelien), wäre Cortison kontraindiziert, sprich: schadet mehr, als es nützt.

Nach Studienlage der Dinge empfehlen wir jedenfalls, diesen Sachverhalt mit dem behandelnden Neurologen abzuklären, auf eine wirklich gründliche Anamnese zu drängen – und um eine schlüssige Erklärung zu bitten, weshalb Sie nicht einen Versuch mit Mino/Doxycyclin unternehmen sollten. Kann ihr Neurologe ihnen keinen Grund nennen (was höchst wahrscheinlich ist), schließen wir uns der Ansicht der kanadischen Langzeitforscher an: „Given its' known safety and low cost, minocycline should be considered for initial treatment as well as for combination therapy trials.“

 

P.S.: Nach unserer bescheidenen Ansicht ist es leider nicht zielführend, den Versuch mit Mino- oder Doxycyclin erst nach 10 Jahren MS-Karriere zu starten, aber wir lassen uns diesbezüglich gern belehren und bessern die Empfehlung ggf. nach, sobald entsprechende Studien vorliegen.

P.P.S.: Sogar die gut vernetzte Amsel kann nicht verschweigen, dass es die hier erwähnte Studie gibt. Merkwürdigerweise empfiehlt die Amsel aber nicht, Patienten sollten ihre behandelnden Ärzte darauf ansprechen. Wir gestatten uns, das anders zu sehen, und schließen uns der Ansicht von Studienleiterin Luanne Metz an, siehe oben.

* „Minocycline 100 mg bid reduces conversion of the first clinical demyelinating event to MS. Given its' known safety and low cost, minocycline should be considered for initial treatment as well as for combination therapy trials.“ (Metz et. al: Minocycline reduces the relative risk of multiple sclerosis in people experiencing their first clinical demyelinating event by 44.6%: results of a phase III double-blind placebo controlled Canadian multicentre clinical trial)