Schad- und Schutzfaktoren: Grundlagen

Bei manchen Dingen wissen wir ganz genau, dass sie unserem Körper nicht gut tun. Nicht umsonst steht auf jeder Packung Zigaretten eine kurze Erinnerung wie „Rauchen schadet Ihrer Gesundheit“. Es gibt allerdings auch andere Schadfaktoren, die wir nicht unbedingt auch immer als solche identifizieren oder überhaupt aktiv wahrnehmen. 

Umweltgifte wie Pestizide und Herbizide, Feinstaub von Industrie und Verkehr, genauso wie Strahlenbelastung (zum Beispiel durch Elektrosmog, Radioaktivität und Sonnenstrahlen), sind Schadfaktoren, die von außen auf uns einwirken und nicht immer offensichtlich zu erkennen sind. Außer natürlich zu hohe UV-Strahlung in Form eines Sonnenbrands. Aber den sehen wir auch erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Für andere Schadfaktoren, die auf unseren Körper wirken, sind wir wiederum selbst verantwortlich, so wie für Fast-Food, Drogenkonsum, aber auch Alkohol oder übermäßigen Medikamentenkonsum. Oder ganz schlicht den Mangel an körperlicher Aktivität.

Doch trotz umfangreicher Programme verschiedenster Institutionen zeigen die Bemühungen gegen Schadfaktoren nicht den gewünschten Erfolg. Nicht nur in den westlichen Ländern mit hohem Lebensstandard sondern auch in den so genannten Schwellenländern wie Indien und China nehmen die chronischen Krankheiten weiter zu - in den Schwellenländern zum Teil in erschreckender Geschwindigkeit. Diese Aussage trifft in vielen Aspekten auch auf die Multiple Sklerose zu.

Der Grund, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen? Wir konzentrieren uns zu sehr auf die Vermeidung von Risiken und Schadfaktoren. Dabei hat der menschliche Körper, insofern er über ausreichende Schutzfaktoren wie zum Beispiel sauberes Wasser, Bewegung, Sonnenlicht, soziale Bindungen, aber auch bestimmte Mikronährstoffe verfügt, eine sehr hohe Kompensationsfähigkeit. Will sagen: Der Körper kann normalerweise ganz gut allein mit den Schadfaktoren klarkommen. Je weiter allerdings Technik und Zivilisation fortschreiten, desto mehr natürliche Schutzfaktoren verschwinden auch aus unserem Alltag. Ohne dass wir das überhaupt bemerken. Sitzen wir beispielsweise den ganzen Tag in unserem klassischen Büro oder Home Office vor dem Rechner, entgehen uns nicht nur wichtiges Sonnenlicht und Bewegung, sondern womöglich leiden auch unsere sozialen Bindungen darunter.

Sowohl Schad- als auch Schutzfaktoren haben im einzelnen nur eine begrenzte Wirkung auf den Körper, im Positiven wie im Negativen. Und so belastbar wir Menschen auch sind, wenn die Schadfaktoren in unserem Leben Überhand gewinnen und die Schutzfaktoren immer weiter abnehmen, kommt auch der widerstandsfähigste Körper irgendwann an seine Grenzen.

Um den Körper gesund zu halten, oder in unserem Fall, den Körper wieder gesünder zu machen, sollten wir folglich eine Doppelstrategie verfolgen: Reduktion der Schadfaktoren bei gleichzeitiger Verstärkung der Schutzfaktoren. Was nach einer Binsenweisheit klingt, erfordert dennoch etwas Nach- und Neudenken unserer gewohnten Strukturen - und wird etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die wir allerdings investieren sollten, denn unser bisheriger Weg war ja offensichtlich nicht ganz so smart und erfolgreich, wie wir bislang dachten.