Weihrauch

Der Weihrauch, Harz des Weihrauch-Baumes (Boswellia), spielte neben seiner rituellen Bedeutung als Räucherwerk schon seit Jahrhunderten auch eine Rolle in der indischen (Ayurveda) und arabischen (ägyptischen) Medizin. Ihm wurde seit jeher eine reinigende (desinfizierende) und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt.

Die bedeutendsten Sorten sind der indische (Boswellia serrata), der afrikanische (Boswellia papyrifera) und der arabische Weihrauch (Boswellia sacra bzw. carterii), welcher auch jenseits des Roten Meeres, beispielsweise in Eritrea und Somalia, angebaut wird (die beiden letztgenannten Sorten werden auch gerne verwechselt, sind chemisch jedoch zweifelsfrei zu identifizieren). Ihre Extrakte haben den höchsten Gehalt an den (mutmaßlich) medizinisch wirksamen Bestandteilen, den α- und β-Boswelliasäuren (ca. 20%); hier sind im Speziellen die Derivate 11-keto-β-Boswelliasäure (KBA) und 3-O-Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure (AKBA) hervorzuheben. Durch die Einnahme von Weihrauchextrakten soll in Leukozyten ein bestimmtes Enzym (die 5-Lipoxygenase), das bei der Bildung von Entzündungsmediatoren (den Leukotrienen) eine wesentliche Rolle spielt (Bildung der Vorstufe A4 aus Arachidonsäure), gehemmt werden. Es sind verschiedenste Präparate auf dem Markt, welche jedoch immer einen Boswellia-Gesamtextrakt darstellen, in dem neben den Boswelliasäuren noch bis zu 200 weitere verschiedene Inhaltsstoffe beschrieben wurden. Das Präparat H15® („Boswellan“) wurde bereits zu Beginn des neuen Jahrtausends in verschiedenen Studien getestet und konnte auch bei diversen, hauptsächlich entzündlichen, Erkrankungen (vom Morbus Crohn über Hirntumoren bis hin zu Asthma und rheumatoider Arthritis) eine Verbesserung des Allgemeinzustands bewirken. Dennoch hat das Präparat in Deutschland nie die Zulassung als Medikament bekommen, weil die Datenlage nicht als ausreichend bewertet werden konnte. Zudem sind auch berechtigte Zweifel am oben beschriebenen Wirkmechanismus als Erklärung für die entzündungshemmende Wirkung des Weihrauchextrakts aufgekommen. Man geht mittlerweile eher von einem kumulativen Effekt durch das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Bestandteile und auch von anderen/zusätzlichen Wirkmechanismen aus. Diese sind zurückzuführen auf alternative Zielstrukturen; beispielsweise wird Cathepsin G, was bei der Einwanderung von neutrophilen Leukozyten ins Gewebe eine Rolle spielt, gehemmt. Des Weiteren handelt es sich beim Weihrauch-Gesamtextrakt um ein typisches Naturprodukt, dessen genaue Zusammensetzung von Charge zu Charge größeren Schwankungen unterworfen ist. Größtes Problem ist aber wohl allgemein die schlechte Bioverfügbarkeit der fettlöslichen Inhaltsstoffe im Weihrauchextrakt (Die Konzentrationen i m Blutserum sind auch bei regelmäßiger Einnahme extrem niedrig und schwankend.) - durch Zugabe von Lecithin soll dies verbessert werden.

In Bezug auf MS ist die konkrete Datenlage bisher recht dürftig:

Der bereits bekannte Umstand, dass die Gabe von Weihrauch-Extrakten die Konzentrationsfähigkeit und die Gedächtnisleistung fördert, konnte speziell bei MS-Patienten in Bezug auf das bildlich-räumliche Gedächtnis bestätigt werden.

Unlängst konnte gezeigt werden, dass AKBA (s.o) die Differenzierung von CD4+ T-Zellen (einer Vorläuferstufe der autoreaktiven Leukozyten) zu Th17-Zellen hemmt, was generell die Entzündungsaktivität bei Autoimmunerkrankungen etwas abmildert. Gleichzeitig  wird die Differenzierung in Th2 und regulatorische T-Zellen unterstützt, was diesen Effekt noch verstärkt. Die Forschung hierzu steht allerdings noch am Anfang.

 

Fazit:

Weihrauch hat entzündungshemmendes Potenzial und kann insofern auch als Begleittherapie bei MS eingesetzt werden. Da Dosierung bzw. Konzentration und Darreichungsformen je nach Herkunft des Naturproduktes sehr unterschiedlich sind, sollten Patienten den Rat eines erfahrenen Arztes oder Therapeuten mit Schwerpunkt Ajurveda, TCM oder Phytotherapie einholen.

 

Literatur:

Krueger et al. (2009), Eur J Pharm Sci. ; Permeation of Boswellia extract in the Caco-2 model and possible interactions of its constituents KBA and AKBA with OATP1B3 and MRP2. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19010411)

Di Lorenzo et al. (2013), Critical Reviews in Food Science and Nutrition, Plant food supplements with anti-inflammatory properties: a systematic review (I + II). (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23320910 / http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23391017)  

Poeckel & Werz (2006), Curr Med ChemBoswellic acids: biological actions and molecular targets. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17168710)

Siemoneit et al. (2009) Eur. J. Pharmacol., On the interference of boswellic acids with 5-lipoxygenase: mechanistic studies in vitro and pharmacological relevance. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19374837)

Tausch, L. et al. (2009) J Immunol, Identification of human cathepsin G as a functional target of boswellic acids from the anti-inflammatory remedy frankincense. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19648270)

Diss. M. Paul (2012), Chemotaxonomic Investigations on Resins of the Frankincense Species Boswellia papyrifera, Boswellia serrata and Boswellia sacra, respectively, Boswellia carterii (http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2012/4999/pdf/Dissertation_Fertig_211112.pdf)

http://wirksam-oder-unwirksam.blogspot.de/2012/08/weihrauch-boswellia-zur-behandlung.html

Sedighi et al. (2014) Iran J Neurol, Effect of Boswellia papyrifera on cognitive impairment in multiple sclerosis., (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25422734)

Stürner et al. (2014) Eur. J. Immunol. Boswellic acids reduce Th17 differentiation via blockade of IL-1β-mediated IRAK1 signaling. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24469975)

Bildquelle:

Dieter Schütz / www.pixelio.de

 

 

Life-SMS Version 14.11.2015 (LF)