Schwarzkümmel

Hintergrund
Das Interesse an Heilpflanzen ist aufgrund der Effizienzsteigerung der aus Pflanzen gewonnenen Drogen und dem gewachsenen Interesse an Naturprodukten auch in der konventionellen Pharmakologie in den letzten Jahrzenten stark gestiegen. Insbesondere die vergleichsweise geringen Nebenwirkungen (wenn überhaupt) sprechen für den Einsatz von Pflanzenwirkstoffen. Neben dem schon an anderen Stelle vorgestellten Kurkuma, gibt es einen weiteren pflanzlichen Wirkstoff der hohes immunmodulatorisches Potenzial hat. Die Rede ist von Schwarzkümmel und Schwarzkümmelöl, welches aus den Samen des Schwarzkümmels (Nigella Sativa) durch Kaltpressung gewonnen wird. Der Schwarzkümmel ist schon seit dem Altertum als Heilmittel bekannt und wird sowohl in Form gemahlener Samen als auch als Öl verwendet. Er taucht schon bei Hippokrates [460 – 370 v. Chr.] als Melanthion und bei Plinius dem Älteren [23- 79 n. Chr.] in seinen naturkundlichen Abhandlungen auf. Zudem findet es sich in der Bibel als „ketzah“ und in der islamischen Medizin unter dem Namen „Habbatus Sauda“ praktisch als Allheilmittel. Auch die Ayurvedische Medizin kennt die heilsamen Wirkungen von Schwarzkümmel seit 3000 Jahren.

Schwarzkümmel, ein Hahnenfußgewächs, ist dabei nicht zu verwechseln mit dem Echten Kümmel oder einfach Kümmel (Carum carvi), dem Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) oder auch Kumin und dem Königskümmel (Trachyspermum ammi Sprague) oder Ajowan, alles Doldenfußgewächse. Auch diese Gewürze haben erhebliche Heilwirkungen, enthalten aber nicht die weiter unten beschriebenen Wirkstoffe des Schwarzkümmels.

Wirkstoffe im Schwarzkümmelöl

Die pharmakologisch-chemische Analyse hat vier aktive Wirkstoffe aus dem Öl isolieren können: Thymoquinon (TQ), Dithymoquinon, Thymol und Thymohydroquinone. N. sativa Samen enthält darüber hinaus eine ganze Reihe anderer Bestandteile, wie Kohlenhydrate, Fette, Vitamine, Mineralstoffe und Proteine, sowie acht der neun essentiellen Aminosäuren. Zudem Carotin (wird in der Leber in Vitamin A umgewandelt), Kalzium, Eisen und Kalium. Aus diesen Bestandteilen leiten sich die beeindruckenden antioxidativen, entzündungshemmenden, antimikrobiellen, antitumoralen und immunmodulatorischen Eigenschaften von N. Sativa und seiner Bestanteile ab. Nigella Sativa zeigte im Labor- und Tierversuch signifikante Wirkungen bei mehr als einem Dutzend von Krebsarten ( u.a. Brust-, Darm-, Prostata-, Lungen-, Bauchspeicheldrüsen- und Speiseröhrenkrebs), Magengeschwüren, Colitis Ulcerosa (entzündliche Darmerkrankung) und Dermatitis. Positive Wirkungen wurden bei der Behandlung von Herzkrankheiten in Humanstudien nachgewiesen.

Schwarzkümmelöl und die Behandlung der MS
Aus Sicht der MS-Behandlung sind vor allem die immunmodulatorischen Eigenschaften von Schwarzkümmelöl interessant. Die genaue Wirkweise ist heute noch unbekannt. Mindestens fünf Wirkweisen kommen in Frage: (1) Modulation der COX-1 und / oder COX-2-Entzündungswege, (2) nicht-spezifische Hemmwirkungen auf Zellen der angeborenen Immunität und / oder spezifische Hemmwirkungen auf Komponenten der adaptiven Immunität einschließlich CD4+ und CD8+ T-Zellen, (3) Verschiebung der Immunantwort von TH-1 Zellen zum entzündungshemmenden Typ TH-2, (4) Induktion von regulatorischen dendritischen Zellen DCs, und (5) Modulation der regulatorischen Zellen (einschließlich CD4 +, CD25 + und Ly6G + CD11b + Zellen) von denen eine Unterdrückung entzündlicher T-Zellen bekannt ist [Salem 2005]. Unabhängig davon unterdrückt das im Schwarzkümmelöl enthaltene TQ die Aktivierung des NF-κB (nuclear factor 'kappa-light-chain-enhancer' of activated B-cells), eines Gentranskriptionfaktors, der praktisch in allen Zelltypen und Geweben enthalten ist und eine Vielzahl entzündlicher und karzinogener Prozesse auslösen kann [Aggarwal 2011] (siehe Abb.).

Studien mit spezifischer Relevanz für die Multiple Sklerose gibt es wenig. Zumindest im Mausmodell (EAE) konnte aber nachgewiesen werden, dass TQ stark präventiv (90% der Fälle) und überraschend kurativ (50 %) wirkt [Mohammed A. 2009]. Ein ähnlicher Effekt wurde bei Diabetes als ein weiteres Beispiel für Autoimmun-Erkrankungen nachgewiesen [Muhamed T. 2012].

Ein nicht zu vernachlässigender Effekte ist zudem die Anti-Osteoporose-Wirkung von TQ und Schwarzkümmelöl [Shuid AN 2012], die gerade bei häufigen Cortisonbehandlungen im Zuge einer Schubtherapie für Betroffene interessant ist.

Zusammenfassend gilt: Nigella Sativa oder Schwarzkümmelöl hat ein relevantes Potential bei der Unterstützung des Körpers im Heilungsprozess und wirkt mit hoher Wahrscheinlichkeit präventiv. Diese kurativen und präventiven  Wirkungen gelten für eine Vielzahl von Krankheiten. Es kann als weitere Quelle starker Antioxidanten im Rahmen einer MS-spezifischen Ernährung in der Küche und als Nahrungsergänzung eingesetzt werden. Ein Wundermittel ist es sicher nicht, auch wenn die breite Wirksamkeit durchaus Staunen hervorrufen kann.

Anwendung
Wie bei allen ätherischen Ölen, könnte auch die massive Einnahme von Schwarzkümmelöl unter Umständen zu Leber- oder Nierenschädigungen führen – signifikante Effekte konnten aber für Schwarzkümmelöl nicht nachgewiesen werden. Die geeignete Dosis für Schwarzkümmelöl für den Menschen kann auf der Grundlage von Tierstudien auf die menschliche Äquivalentdosis ohne beobachtete schädliche Wirkung extrapoliert werden. Die Humandosis beträgt demnach etwa 0,05 ml/kg/Tag für Nigella Sativa-Extrakt. Aber auch die regelmäßige Verabreichung von Dosen, die einen Faktor 50 höher lagen, führten zu keinen negativen Effekten. Der tägliche Teelöffel Schwarzkümmelöl bzw. die Nutzung von Schwarzkümmelsamen in der Küche ist also sicher unproblematisch.

Kontraindikationen
Schwarzkümmelöl oder Schwarzkümmel sollte aufgrund seiner bekannten blutzuckersenkenden Eigenschaften Diabetikern und bei Kindern mit Vorsicht verwendet werden [Shuid AN 2012]. Schwangere Frauen sollten ebenso auf Schwarzkümmel und Schwarzkümmelöl verzichten, da es Uteruskontraktionen hervorrufen kann.

Version: Life-SMS 03.01.2015